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OrCam – Die intelligente Kamera für Sehbehinderte

Hersteller

OrCam

Kurzbeschreibung

Die intelligente Kamera für Sehbehinderte

Geeignet für

Blinde und sehbehinderte Menschen aller Altersklassen

Akkulaufzeit

Ca. 1 Tag

Gewicht

Kamera: 31 Gramm
Basiseinheit: 163 Gramm

 

Was kann die OrCam?

Die OrCam kann gedruckte Texte von verschiedensten Oberflächen wie Bildschirmen, Zeitungen oder Speisekarten vorlesen. Außerdem kann die OrCam MyEye zusätzlich Menschen, Produkte und Geldscheine erkennen.

Wie funktioniert das System?

Das OrCam System besteht aus einer Minikamera, einem Lautsprecher und einer Steuereinheit mit integriertem Akku. Die Minikamera kann an jeder handelsüblichen Brille montiert werden und erfasst damit genau das Blickfeld des Trägers. Der Lautsprecher wird in unmittelbarer Nähe zum Ohr platziert und die Lautstärke so angepasst, dass der Nutzer zwar alles versteht, Menschen in der Umgebung aber nichts davon hören können.

Eine einfache Handbewegung reicht, damit die Brille dem Träger vorliest. Das können Straßenschilder, Speisekarten oder sogar Personen sein – denn die Sehhilfe erfasst mit der Kamera die Umgebung und gibt die dann an den Träger weiter.

Was erkennt die OrCam?

Die OrCam erkennt alle gedruckten Texte einer Sprache, zum Beispiel auf Zeitungspapier, Straßenschildern, Produkten und digitalen Bildschirmen. Euro-Geldscheine werden ebenfalls erkannt.

Je nach Variante kann die OrCam auch Gesichter und Produkte erkennen, nachdem sie diese gelernt hat. Die OrCam kann bis zu 150 Produkte und 100 Gesichter von Personen speichern.

Die OrCam ist in zwei Varianten erhältlich

OrCam MyEye ist eine Sehhilfe, die es blinden oder sehbeeinträchtigten Menschen ermöglicht Texte zu erkennen. Es ist ein tragbares Gerät, das an jeder handelsüblichen Brille befestigt werden kann und sehr leicht und unauffällig ist. Das Gerät funktioniert so: Eine kleine Kamera am Bügel der Brille nimmt die Umgebung auf und leitet die Informationen über einen Lautsprecher an den Nutzer weiter. Die Kamera ist über ein Kabel mit der Basiseinheit verbunden. Mit drei Knöpfen kann man das Gerät bedienen. Die Sehhilfe kann jeden gedruckten Text erkennen, zum Beispiel auf dem Handybildschirm, in der Zeitung oder in einer Speisekarte. Dazu muss der Nutzer nur auf den Text zeigen, der ihm anschließend über den Lautsprecher vorgelesen wird. Außerdem kann die MyEye Gesichter und Produkte lernen und erkennen und den Nutzer damit im persönlichen Alltag sowie beim Einkaufen unterstützen. Auch Geldscheine kann das Gerät identifizieren.

OrCam MyReader ist eine vereinfachte Variante der MyEye und konzentriert sich auf die Lesefähigkeiten des Geräts. Mit dem MyReader können Nutzer alle gedruckten Texte lesen – und damit beispielsweise Bücher, Speisekarten und Busfahrpläne verstehen.

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Ein Erfahrungsbericht

Vielleicht haben Sie mit der Diagnose Makuladystrophie persönliche Erfahrungen gemacht? Dann ist Ihnen die Vorstellung nicht fremd, was in einer Mutter vorgeht, die ihr Schulkind mit seiner Zuckertüte zur Einschulung fotografiert, aber recht ratlos ist, wie es Lesen und Schreiben lernen soll, wenn doch gerade hochsensible Messgeräte eines Uniklinikums festgestellt haben, dass dies so einfach nicht möglich sein wird.

Innerhalb der folgenden sechs Schuljahre habe ich nun gelernt, die besten dicken Filzstifte statt Federhalter oder Bleistifte zu besorgen, ich habe guten Kontakt zum Büroausstatter aufgebaut, der mich mit Klapptisch, buntem Papier, Schreibfolien und dickem Papier für die Brailleschrift versorgt, Braillezeile, Tafelkamera und elektronische Leselupen staube ich regelmäßig ab und weiß die Erfindung dieser Geräte absolut zu schätzen. Unsere Stromrechnung hat sich proportional zur Anschaffung der vorgenannten Sehhilfen vorwärtsbewegt.

Mit viel Kreativität war es bisher möglich, Dank sehr engagierter Lehrer und einer Schulbegleiterin unser Kind sogar integrativ in einem ganz normalen Gymnasium zu unterrichten. Nur nicht aufgeben – niemals zweifeln, dass es eventuell mal kein Weiterkommen mehr für unser Kind geben wird. Trotz allem wird täglich klar, welche Einschränkungen bestehen, wenn ein Schüler den Fahrplan, die jeweilige Straßenbahnlinie, große Lesetexte usw. kaum selbst visuell ausmachen kann.

Als wir von einem Kind aus unserer Familie hörten, dass es nun „eine sprechende Brille“ gäbe, schien uns dies kaum vorstellbar, hierzu unseren Optiker, Herrn Lommer Benedikt, zu befragen. „Ja, die gibt es, kommen Sie doch in drei Wochen einmal zum Probieren vorbei“, sagte dieser ohne Ironie!!!

Also machten wir uns gespannt eines nachmittags im Mai auf den Weg. Einige Erwartungen mussten wir erst einmal zurückstellen. So konnte die „sprechende Brille“ das aktuelle Mathebuch schlecht vorlesen, Tabellen waren problematisch, chemische Formeln – Fehlanzeige. Aber wir gaben nicht auf. Die Orcam wurde nun aufgesetzt und ein Stadtrundgang eröffnete völlig überraschend eine ganz neue Perspektive. Unser Kind war selig. Nun begriff die Mutter, was bisher dem wohlumsorgten Kind immer noch verborgen geblieben war: Schaufensterauslagen nebst Preisangaben, Anschlagtafeln am Rathaus, Anzeigetafeln am Bus, Speisekarte an der Imbissbude, sogar die alte Postmeilensäule war teilweise „lesbar“. Riesen Freude und Erschütterung zugleich.

Was ich als selbstverständlich wahrnehme, war für mein Kind die absolute „Neuigkeit“ in seinem Leben. So haben wir die Orcam also in unsere Familie glücklich „integriert“. Ich möchte dennoch die Herstellerfirma ermutigen, die Software weiter zu entwickeln. In einer Epoche, in der es per Drohnen möglich ist, im Krieg millimetergenau Menschen problemlos zu töten, oder zerstörerische Kräfte punktgenau wirken zu lassen, dürfte es eine Kleinigkeit sein, der „sprechenden Brille“ die Welt der Mathematik, Chemie, etc. pp. weiter zu eröffnen, so wie sie meinem Kind eine völlig neue Perspektive seines Lebens ermöglicht hat.